DIE ANGST VOR KREBS-RÜCKFALL – WIE ICH ALS CANCER-SURVIVOR GELERNT HABE DAMIT ZU LEBEN
Vielleicht hat nicht jeder Mensch diese Angst ganz bewusst. Aber ich glaube: In vielen Menschen steckt heute zumindest ein Bewusstsein dafür. Ein Wissen dass Krebs existiert. Dass es passieren kann. Dass es nicht nur „die anderen“ trifft.
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Denn Krebs wird häufiger. Und er ist näher gerückt.
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Während man früher kaum darüber gesprochen hat ist Krebs heute – im besten Sinne – gesellschaftsfähiger geworden. Man darf darüber reden. Man muss sich nicht mehr verstecken. Und genau das ist wichtig. Weil es Raum schafft. Für Realität. Für Austausch. Für Menschlichkeit.
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Viele Menschen denken trotzdem: Ich ernähre mich gesund. Ich bewege mich. Ich achte auf mich. Das wird schon reichen. Und vielleicht stimmt das sogar – zumindest fühlt es sich so an. Bis man selbst die Diagnose erhält.
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Denn wer einmal Krebs hatte erlebt etwas das sich nur schwer in Worte fassen lässt: Krebs erschüttert nicht nur den Körper. Er erschüttert das ganze Fundament auf dem das Leben bisher stand. Er nimmt einem das Urvertrauen – dieses stille Gefühl dass schon alles gut gehen wird. Plötzlich wird klar: Das Leben ist fragil. Und es kann sich von einem Moment auf den anderen drehen – auch wenn man vermeintlich „alles richtig gemacht“ hat.
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Ich weiß das nicht nur aus Büchern. Ich weiß das aus meinem eigenen Leben. Ich habe Darmkrebs gehabt – mit allem was dazu gehört: Diagnose, Behandlung, Operation, der lange Weg zurück. Wie diese Zeit meinen Alltag verändert hat habe ich hier beschrieben: Alltag nach Darmkrebs – wie ich meine Routinen neu aufgebaut habe
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Wenn du einmal betroffen warst bleibt etwas für immer
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Ich glaube wer diese Angst nicht selbst erlebt hat kann kaum nachvollziehen wie tief sie sitzt. Denn nach einer Krebsdiagnose ist nichts mehr wie vorher. Man hat am eigenen Körper erfahren: Es kann dich treffen – auch ohne erbliche Belastung, auch bei einem gesunden Lebensstil.
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Und genau deshalb bleibt etwas zurück das sich schwer beschreiben lässt.
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Ich nenne es „Angst“ – aber eigentlich ist es nicht immer diese klassische Angst die einen überrollt. Es ist eher ein Gedanke. Ein stiller Begleiter. Der Gedanke ob der Krebs nochmal zurückkommt. Und dieser Gedanke steckt immer in mir. Nicht jeden Tag laut, nicht jeden Tag dramatisch. Aber er ist da – wie ein Hintergrundrauschen das sich nie ganz abschalten lässt.
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Und selbst wenn ich heute viel über Prävention weiß, wenn ich mich weitestgehend gesund ernähre, wenn ich mich bewege und gut für mich sorge – ich kann trotzdem nicht wissen was in mir vielleicht noch schlummert. Ich kann nicht wissen ob da bereits wieder etwas entstanden ist was ich nicht mehr verändern kann.
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Und genau das ist der Punkt der diese Gedanken so hartnäckig macht: Man kann viel tun – aber man kann nicht alles kontrollieren. Früher hatte ich dieses Grundgefühl: Das Leben wird schon laufen. Es wird schon gut gehen. Heute weiß ich: Nein, muss es nicht, denn das ist nicht selbstverständlich.
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Und trotzdem: Ich habe gelernt damit umzugehen
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Ich habe lange gedacht ich müsste diese Gedanken wegdrücken. Oder stärker sein. Oder mich einfach zusammenreißen.
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Aber die Wahrheit ist: Angst lässt sich nicht dauerhaft wegdrücken. Also geht es nicht darum sie komplett loszuwerden. Sondern darum Mittel und Wege zu finden mit ihr zu leben – ohne dass sie mich beherrscht.
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Ich habe im Laufe der Zeit drei Wege gefunden die mir helfen diese Angst in Schach zu halten. Nicht perfekt. Klappt auch nicht immer. Aber so dass sie mich nicht mehr komplett überwältigt.
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Meine 3 Wege um die Angst vor Krebs-Rückfall in Schach zu halten
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- Atemtechniken – zurück in den Moment finden
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Ich habe psychologische Beratung in Anspruch genommen. Und das war eine der besten Entscheidungen für mich. Dort habe ich Atemtechniken gelernt die mir helfen wenn es plötzlich eng in der Brust wird und der Gedanke wieder zu groß wird.
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Denn Angst ist nicht nur ein Gedanke – sie ist ein körperlicher Zustand. Sie nimmt dir Luft. Sie nimmt dir Ruhe. Sie zieht dich aus dem Moment heraus.
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Wenn ich merke dass es kippt mache ich heute nicht mehr den Fehler dagegen anzukämpfen. Ich mache etwas viel Einfacheres: Ich fokussiere mich auf meinen Atem. Einatmen. Ausatmen. Wieder einatmen.
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Und mit jedem Atemzug hole ich mich zurück. Zurück in den Körper. Zurück ins Jetzt. Zurück in die Realität.
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- Mudras – meine Finger als Anker
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Im Krankenhaus war die Angst noch akuter. Dort war sie oft direkt an den Moment gekoppelt: an eine Untersuchung die bevorstand, an Schmerzen, an die Visite, an Ergebnisse die man nicht kontrollieren kann.
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In dieser Zeit hat mir meine Schwester ein kleines Büchlein geschenkt: Mudras – Finger Yoga. Dieses Büchlein liegt seitdem auf meinem Nachttisch.
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Wenn mein Kopf nicht mehr zur Ruhe kommt gebe ich meinem Körper eine Aufgabe. Ich konzentriere mich auf meine Finger, auf die Bewegung, auf die Haltung, auf das Gefühl. Und plötzlich passiert etwas Entscheidendes: Mein Fokus wandert weg von der Angst – hin zu etwas das ich steuern kann.
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Für mich ist das wie ein kleiner Rettungsanker. Ein körperlicher Trick der den Gedankenstrom unterbricht.
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- Wissen statt Panik – das Buch das alles verändert hat
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Nach einer Krebsdiagnose passiert oft etwas das man vorher nie gebraucht hat: Man wird Expertin wider Willen. Man liest. Man googelt. Man versucht alles zu verstehen. Fachbegriffe fliegen einem um die Ohren. Prognosen. Risiken. Statistiken. Und am Ende bleibt häufig vor allem eins zurück: ein riesiges Durcheinander im Kopf.
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Ich hätte mir gewünscht ich hätte ein bestimmtes Buch früher gefunden. Es ist nicht nur ein wahnsinnig interessantes Buch für Betroffene sondern auch für jeden der am menschlichen Körper und seinen Prozessen interessiert ist.
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Meine absolute Herzensempfehlung: „Krebs – das Ende einer Angst„. Die Autorin, eine Molekularbiologin, erklärt darin in verständlicher Sprache wie Krebs entsteht, welche Faktoren eine Rolle spielen – und vorallem welche Stellschrauben wir tatsächlich selbst beeinflussen können.
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Und genau das war für mich entscheidend. Denn dieses Buch hat mir nicht versprochen dass ich alles kontrollieren kann. Aber es hat mir gezeigt: Ich bin nicht völlig ausgeliefert. Und dieses Gefühl war ein Gamechanger. Weil es diese große graue Wolke ein Stück von mir weggeschoben hat. Und weil es mir die Schuldgefühle genommen hat selbst schuld am Krebs zu sein.
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Und noch ein Buch das mir in dieser Phase sehr geholfen hat ist „Wieder gesund werden“ nach der Simonton-Methode – die Entspannungsübungen daraus mache ich bis heute, gerade an Tagen wo die Angst wieder lauter wird.
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Diese Gedanken bleiben – aber sie müssen nicht mein Leben bestimmen
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Der Gedanke dass Krebs zurückkommen könnte wird wahrscheinlich immer ein Teil von mir bleiben. Vielleicht ist das der Preis dafür, dass ich erlebt habe wie schnell sich alles ändern kann. Vielleicht ist es auch ein Schutzmechanismus.
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Aber ich weiß heute: Ich muss nicht jeden Tag dagegen kämpfen. Ich muss nicht so tun als wäre alles wie früher. Ich darf anerkennen dass es diesen Gedanken gibt. Und ich darf trotzdem weitergehen.
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Und wenn es enger wird wenn es lauter wird in meinem Kopf dann habe ich meine Wege: Ich atme. Ich erde mich. Ich fokussiere mich neu. Ich hole mich zurück.
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Nicht weil ich keine Angst mehr habe. Sondern weil ich gelernt habe mit ihr umzugehen.
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Und manchmal ist genau das schon Heilung: nicht das völlige Verschwinden der Angst – sondern das Wissen dass man nicht mehr hilflos ist. 💛
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Kennst du diese stille Angst – dieses Hintergrundrauschen das sich nie ganz abschalten lässt? Hast du Wege gefunden damit umzugehen?
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Schreib mir gerne in die Kommentare. Ich lese jeden einzelnen und antworte auch. Denn über diese Seite von Krebs wird viel zu wenig gesprochen.
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