Wie sich das Körpergefühl nach schwerer Krankheit für immer verändert
Vor meiner Erkrankung hatte ich einen unempfindlichen Magen, breite Schultern und keine Zeit, auf irgendetwas davon zu hören. Ich brauchte das ja auch nicht – warum auch, es lief doch alles! Erst hinterher habe ich verstanden, was mir diese stabile Statur, wegen der ich mein Leben lang unzufrieden war, geschenkt hat und was mir dadurch so alles erspart geblieben ist. Vor der Erkrankung war mein Körper einfach da – verlässlich, robust, unbeachtet. Ich hatte nie gelernt, ihm zuzuhören.
Nach meiner Darmkrebs Operation musste ich meinen Körper erst einmal wieder neu kennenlernen. In ihn hineinhorchen, ihn lesen lernen. Ich war aufmerksamer, manchmal auch misstrauischer. Als müsste das Vertrauen, das ich vorher einfach so hatte, erst wieder neu verdient werden.
Ich hatte gedacht, nach der Genesung wird alles wieder wie vorher. Aber das Körpergefühl nach einer schweren Krankheit ist anders – und das ist keine Einbildung. Ob es ein Problem ist? Es ist einfach so. Das beschreiben viele Frauen so. Und ich kenne es selbst.
Was mit dem Körpergefühl nach schwerer Krankheit passiert
Wunden heilen. Narben verblassen. Aber das innere Erleben des eigenen Körpers bleibt ein anderes, der Körper erinnert sich noch lange.
Eine neue Wachheit sich selbst gegenüber. Ein Hinhören, das vorher nicht da war. Manche erleben das als hilfreich, andere als anstrengend. Beides kommt vor – manchmal am selben Tag.
Was sich konkret verändern kann
Du nimmst Signale früher wahr. Ein Ziehen, ein Drücken – was du früher weggeschoben hättest, lässt dich jetzt kurz innehalten, aufhorchen. Das kann gut sein. Es kann aber auch belastend sein, denn die Sorge um einen Rückfall ist oft groß. Und plötzlich ist die Frage: Ist es nur ein Husten oder schon eine beginnende Lungenentzündung?
Erschöpfung fühlt sich plötzlich anders an. Nicht mehr wie etwas, das man einfach wegschlafen kann. Sondern wie ein Signal, das man besser ernst nimmt. Lies hier mehr über das Thema Erschöpfung: Warum du dich mit 50 ständig erschöpft fühlst – und was deinem Körper wirklich hilft
Berührungen, Lebensmittel, Temperatur, Stress – der Körper reagiert empfindlicher. Das legt sich bei vielen Frauen wieder, aber es braucht einige Zeit. Ich behaupte: Erst wenn der Kopf etwas verkraftet hat, kommt der Körper hinterher.
Und dann ist da noch etwas, das selten ausgesprochen wird: das Vertrauen. Dem eigenen Körper wieder glauben zu können – dass er trägt, dass er funktioniert, dass er auf deiner Seite ist, so wie er es vorher viele Jahre war – das war für mich die tiefste Veränderung. Nicht der Schmerz. Nicht die Narbe. Sondern dieses langsame, zögernde Wiederfinden.
Ich erinnere mich an einen Moment, Wochen nach der OP. Ich stand einfach da und habe mich gefragt: Wird wohl je wieder ein Tag kommen, den ich nicht nach Risiken und Chancen abwäge, wie es heute körperlich laufen wird, danach wie sich mein Körper heute anfühlt?
Das ist das Körpergefühl nach schwerer Krankheit, über das kaum jemand spricht.
Was dabei hilft – ganz konkret
Bewegung, die sich stimmig anfühlt.
Für mich ist das Krafttraining geworden. Nicht als Leistung, sondern als Kontakt zum eigenen Körper – eine Art Gespräch, das ohne Worte auskommt. Wie fühlt sich das an? Was tut gut, was nicht? Ich habe aber zuerst ganz sanft mit leichten Kräftigungsübungen zuhause angefangen. Eine gute rutschfeste Yogamatte reicht für den Einstieg völlig.
Magnesium am Abend kann die Schlafqualität, die Muskelentspannung und das allgemeine Wohlbefinden unterstützen, weil es an zahlreichen Prozessen im Nervensystem beteiligt ist, die zur Entspannung beitragen, die Muskel- und Nervenfunktion regulieren und Stressreaktionen des Körpers abmildern können. Ich nehme es bis heute abends, Magnesiumcitrat-Kapseln – hochdosiert und gut verträglich
Ein weiterer Punkt, den ich lange unterschätzt habe, ist die Bedeutung von Eiweiß.
Nach einer schweren Erkrankung geht es nicht nur darum, wieder genug zu essen, sondern den Körper gezielt beim Wiederaufbau zu unterstützen. Eiweiß wird für Muskeln, Gewebe, das Immunsystem und die Regeneration benötigt. Während für gesunde Erwachsene oft etwa 1,0 bis 1,2 Gramm Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht empfohlen werden, liegt der Bedarf in Genesungs- und Aufbauphasen höher, häufig bei 1,2 bis 1,5 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht.
Viele natürliche Lebensmittel liefern hochwertiges Eiweiß, zum Beispiel Skyr, Eier, Fisch, Hülsenfrüchte oder Hüttenkäse. Während früher vielleicht eine Scheibe Brot und ein Kaffee zum Frühstück gereicht haben, achte ich heute bewusster darauf, meinem Körper ausreichend Protein zu geben.
Ein Proteinpulver ohne viel Schnickschnack hilft, die Menge unkompliziert zu erreichen, ich nehme gern dieses um auf mein Tages-Soll zu kommen Proteinpulver – ohne Zucker, neutral oder Vanille, gut verträglich]
Es ist eine dieser Veränderungen, die von außen kaum sichtbar sind – aber nach einer schweren Krankheit lernt man, dass Wohlbefinden oft in den kleinen, täglichen Entscheidungen beginnt.
Essen als Fürsorge. Was tut mir gut, was nicht?
Nach einer Darm-OP war das für mich eine völlig neue Frage – und eine, die ich mir noch immer häufig stelle. Was früher unproblematisch war, konnte plötzlich den ganzen Tag ruinieren. Aber ich habe mit Geduld Wege gefunden, die für mich funktionieren, lies hier mehr darüber Darm-OP Ernährung – warum kleine Dinge den Unterschied machen
Aufschreiben, was sich verändert. Nicht als Therapieaufgabe, sondern weil es hilft, Dinge aus dem Kopf raus auf Papier zu bringen – und manchmal erst dann zu verstehen, was man gerade fühlt. Und ein Ernährungstagebuch zeigt übersichtlich, was gut tut und was nicht.
Der Kopf vergisst nicht so leicht, was der Körper alles erlebt hat. Und wenn du tiefer einsteigen möchtest, wie eng der Körper und Erlebtes miteinander verknüpft sind: Dieses Buch hat mir damals einiges erklärt, was ich bis dahin nur gespürt, aber nicht verstanden hatte. Es geht darum, was der Körper speichert – auch nach einer schweren Krankheit, auch wenn meine Erkrankung vielleicht kein klassisches Trauma war, habe ich die Zeit doch als sehr traumatisch empfunden. Ich fand es sehr erhellend: „Der Körper vergisst nicht“ von Bessel van der Kolk
Kein Vorher-Nachher
So wie sich der Körper innerlich und äußerlich mit einer Krankheit verändert, ist somit auch das Körpergefühl nach schwerer Krankheit ist nicht das gleiche wie vorher. Das klingt nach Verlust. Aber es ist nicht nur das.
Der Körper ist auch informierter. Aufmerksamer. In mancher Hinsicht zuverlässiger – weil du ihm jetzt zuhörst. Weil du weißt, dass er auch durch schwierige Zeiten trägt. Das wusstest du vorher nicht. Jetzt weißt du es.
Es braucht seine Zeit. Aber es lohnt sich.
Wenn du das kennst, schreib mir gerne. Solche Erfahrungen teilt man selten laut – dabei sind so viele Frauen damit nicht allein.
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