DIE SANDWICH-GENERATION – WENN DU GLEICHZEITIG FÜR KINDER UND ELTERN DA BIST UND DABEI FAST VERGISST DASS DU AUCH NOCH EXISTIERST

Manchmal habe ich das Gefühl ich stehe beim Tauziehen genau in der Mitte des Seils. Links zieht jemand. Rechts zieht jemand. Und ich in der Mitte versuche nicht umzufallen.

n

Meine Kinder sind gerade dabei in ihr eigenes Leben zu gehen. Noch nicht ganz weg – aber deutlich auf dem Sprung. Sie ziehen aus, planen ihren Alltag, treffen Entscheidungen die nichts mehr mit mir zu tun haben. Und trotzdem klingelt das Telefon noch oft genug: „Mami, weißt du zufällig…?“ „Kannst du kurz…?“ Kein Ding – der ganz normale Lauf des Lebens.

n

Und gleichzeitig gibt es meine Eltern. Meine Mutter lebt allein. Mein Vater auch. Beide kommen im Alltag noch zurecht. Aber sie brauchen Unterstützung, manchmal Hilfe, vor allem aber Aufmerksamkeit. Manchmal einfach jemanden der nur kurz zuhört. Auch der ganz normale Lauf des Lebens. Und zum Glück habe ich eine Schwester die diese Familie mit mir teilt.

n

Wenn ich das jetzt so schreibe merke ich: Das klingt eigentlich nicht nach viel. Aber wer selbst in dieser Mitte steht weiß, wie still und zermürbend diese Erschöpfung sein kann. Besonders wenn man – wie ich – noch eine schwere Erkrankung hinter sich hat und gelernt hat wie kostbar Energie eigentlich ist.

n

Zwischen zwei Generationen

n

Wenn ich es nüchtern betrachte ist mein Alltag gar nicht besonders dramatisch. Ich plaudere mit meiner Mutter. Ich frage meinen Sohn wie etwas gelaufen ist. Ich erinnere meine Tochter an eine Frist. Ich erledige etwas für meinen Mann. Ich koche. Ich organisiere. Ich denke voraus.

n

Das Problem ist nicht ein einzelnes Ereignis. Es ist die Summe der kleinen Dinge.

n

Und irgendwann merke ich dass ich ständig mitdenke. Für alle an alles. Mein Kopf ist wie ein kleines Kontrollzentrum. Und manchmal fühlt sich das erstaunlich anstrengend an.

n

Der Moment in dem mir klar wurde wo ich stehe

n

Vor einiger Zeit habe ich den Begriff Sandwich-Generation gelesen. Und ich habe geschmunzelt – er klingt so appetitlich und harmlos. Fast ein bisschen lustig. In Wirklichkeit beschreibt er aber etwas ziemlich Präzises und gar nicht so Harmloses.

n

Du stehst zwischen zwei Generationen. Nach unten: Kinder die ihren Weg gehen. Nach oben: Eltern die langsam Unterstützung brauchen. Und du bist die Verbindung dazwischen.

n

Mein Mann arbeitet viel und ist beruflich immer eingespannt. Das ist kein Vorwurf. Das ist einfach die Realität unseres Alltags. Aber dadurch passiert etwas fast automatisch: Alles landet erstmal bei mir. Die Anrufe. Die Termine. Die kleinen Krisen.

n

Ich bin diejenige die informiert ist. Diejenige die erinnert. Diejenige die merkt wenn irgendwo etwas aus dem Gleichgewicht gerät.

n

Und manchmal sitze ich abends da und denke: Warum fühlt sich das alles so sehr nach meiner Verantwortung an?

n

Die stille Erschöpfung

n

Ich würde nicht sagen dass ich überfordert bin. Aber ich bin oft müde.

n

Nicht die Müdigkeit nach einem langen Tag. Eher diese leise, bleierne Erschöpfung die entsteht wenn man dauerhaft aufmerksam sein muss. Wenn der Kopf immer ein bisschen weiter vorausdenkt. Wenn man ständig versucht alles zusammenzuhalten.

n

Warum Frauen in der Lebensmitte so oft erschöpft sind und was wirklich dahintersteckt habe ich hier ausführlicher beschrieben: Warum Frauen ab 50 ständig müde sind

n

Vielleicht gehört das auch zu dieser Lebensphase. Dass man merkt wie viel Energie Organisation und Verantwortung eigentlich kosten.

n

Zwischen Fürsorge und Überforderung

n

Das Schwierige ist: Ich möchte für meine Familie da sein. Ja ich möchte das.

n

Ich möchte dass meine Eltern wissen dass sie nicht allein sind. Und ich möchte dass meine Kinder spüren dass sie sich auf mich verlassen können.

n

Aber manchmal fühlt es sich an als würde ich in zwei Richtungen gleichzeitig gezogen. Nach oben. Nach unten. Und irgendwo dazwischen stehe ich selbst.

n

Wie ich gelernt habe mit dieser inneren Zerrissenheit umzugehen und meinen Alltag neu zu strukturieren habe ich hier beschrieben: Neuorientierung mit 50 – 7 praktische Schritte für mehr Stabilität.

n

Kleine Dinge die mir wirklich helfen

n

Ich habe keine große Strategie für diese Lebensphase. Aber ich habe ein paar kleine Dinge verändert – auch wenn ich dafür anfangs ein schlechtes Gewissen hatte.

n

Ich versuche nicht mehr alles im Kopf zu behalten. Termine die alle betreffen landen auch bei allen im Kalender. Damit es kein „das hat mir aber gar niemand gesagt“ mehr gibt.

n

Ich versuche kleine Routinen für mich selbst zu behalten. Ein Spaziergang. Ein Hörbuch. Ein ruhiger Morgen der zuerst nur mir und dann erst den anderen gehört. Wie solche Routinen konkret aussehen können habe ich hier beschrieben: Routinen nach einer Krankheit – wie ich Schritt für Schritt zurückgefunden habe]

n

Und manchmal hilft es meinen Körper ein wenig zu unterstützen. Wenn ich merke dass ich abends noch unter Spannung stehe nehme ich gelegentlich Magnesium – das entspannt meine Muskeln und lässt mich besser schlafen.

n

In den dunklen Monaten merke ich wie sehr Licht meine Energie beeinflusst. Eine einfache Tageslichtlampe am Morgen hilft mir oft beim Wachwerden wenn die Tage zu grau und dunkel sind.

n

Und damit ich meine Gedanken sortieren kann ohne alles im Kopf zu behalten schreibe ich abends kurz in mein Journal. Nicht perfekt, nicht tiefgründig – einfach als Abschluss des Tages.

n

Das sind keine großen Lösungen. Aber kleine Stützen.

n

Vielleicht gehört diese Phase einfach zum Leben

n

Manchmal denke ich dass über diese Lebensphase erstaunlich wenig gesprochen wird. Über junge Familien wird viel geschrieben. Über das Alter auch. Aber diese Jahre dazwischen sind stiller und ungesehener.

n

Dabei passiert gerade hier sehr viel. Kinder gehen. Eltern werden älter. Und man selbst steht genau in der Mitte. Und ich ertappe mich manchmal bei dem Gedanken: Wann ist eigentlich mein Leben nur für mich dran? Und sofort verbiete ich mir diesen Gedanken wieder.

n

Aber weißt du was? Dieser Gedanke ist erlaubt. Du darfst das denken. Du bist nicht nur die Mitte. Du bist auch ein Mensch der Luft braucht. Der Raum braucht. Der sich selbst nicht vergessen darf.

n

Kennst du dieses Gefühl – dieses Tauziehen zwischen zwei Generationen?

n

Schreib mir gerne in die Kommentare. Ich lese jeden einzelnen und antworte auch. Denn über diese Lebensphase wird viel zu wenig gesprochen. 💛

n

Transparenz: Dieser Artikel enthält Affiliate-Links zu Produkten auf Amazon. Wenn du darüber einkaufst, unterstützt du meinen Blog mit einer kleinen Provision – für dich bleibt der Preis gleich. Ich empfehle ausschließlich Produkte die ich selbst kenne und für gut befinde.

Ähnliche Beiträge

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert