FREUNDSCHAFTEN IN DER LEBENSMITTE – WARUM SICH FREUNDSCHAFTEN AB 50 VERÄNDERN UND WAS WIRKLICH BLEIBT
Freundschaften verändern sich. Genau wie wir.
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In der Lebensmitte ist es bei uns Frauen doch oft so: Wir hatten irgendwann mal diesen Kreis. Diese paar Frauen die sich anfühlen wie Familie. Da wird nicht diskutiert. Da wird nicht gerechnet. Da gibt es kein „Ja, aber…“ – da gibt es nur „Wir halten bedingungslos zusammen komme was will“.
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Und dann gibt es diese anderen Freundschaften. Die großen Cliquen. Zehn Frauen im Urlaub. Laut, frei, forever young. Die scheinbar immer gut drauf sind und einfach nur dauerglücklich durchs Leben gehen. Schaut her – wir sind noch nicht da angekommen, wo es unbequem wird. Wo das Leben plötzlich Themen mitbringt, die nicht mehr mit Aperol und Party wegzulächeln sind.
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Ich war immer gesellig und habe in den meisten Konstellationen meinen Platz gefunden – aber eine Cliquenfrau war ich nie. Eher die Frau mit wenigen aber echten Freundschaften.
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Und dann kommt plötzlich eine Krise
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Und auf einmal werden Freundschaften getestet, ohne dass jemand es bestellt hat. Ohne Vorwarnung. Ohne Anleitung.
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Manchmal ist es nicht die entfernte Bekannte, die verschwindet. Sondern genau die, die dir am nächsten stand. Nicht weil sie böse ist – sondern weil sie überfordert ist. Weil sie erstarrt, weil sie nicht weiß wie sie mit dir umgehen soll, wenn du nicht mehr die bist, die du vorher warst.
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Du warst doch immer die Lustige. Die Starke. Die bei der jeder Spaß zu haben war. Und auf einmal – was ist denn jetzt los? Bist du müde, leise und brauchst Unterstützung.
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Ich kenne dieses Gefühl sehr gut. Als ich schwer erkrankt war haben sich manche Freundschaften auf eine Art verändert, die ich nicht erwartet hatte. Wer wirklich da war und wer nicht – das hat mich mehr überrascht als die Diagnose selbst. Wie eine schwere Erkrankung das ganze Leben auf den Kopf stellt habe ich hier beschrieben: Wenn das Leben dich ausbremst – wie eine schwere Erkrankung mich zu mir selbst gebracht hat
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Und plötzlich die Frage: Was hat uns eigentlich verbunden?
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Waren es nur die gemeinsamen Spaßtage? Die gleichen Themen? Das gleiche Tempo? Und wenn plötzlich Themen auftauchen die uns nicht mehr verbinden – dann splittet es sich. Ganz leise und ganz schmerzhaft.
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Die Gründe sind so unterschiedlich wie wir Menschen selbst. Und trotzdem bleibt ein Gefühl das schwer auszuhalten ist: Jemanden zu verlieren mit dem man einmal so eng verbunden war. Und gleichzeitig zu erkennen: Vielleicht muss man diese Person gar nicht verlieren. Sie ist nur einfach nicht mehr so fest im Leben verwoben wie früher.
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Das macht es okay – aber es bleibt trotzdem traurig. Weil es sich manchmal anfühlt wie Abschied obwohl niemand Tschüss gesagt hat.
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Neue Freundschaften knüpfen ist auch nicht mehr so leicht
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Meine engsten Freundschaften sind über meine Kinder entstanden – über die Schule, den Sportverein, über Hobbys. Aber irgendwann sind die Kinder größer. Oder sie brauchen uns nicht mehr so oft als Brücke in soziale Welten.
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Wie sich das anfühlt wenn die Kinder gehen und welcher Raum dabei entsteht habe ich hier beschrieben: Die Sandwich-Generation – wenn du gleichzeitig für Kinder und Eltern da bist
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Und dazu kommt: Je älter wir werden desto wählerischer werden wir auch. Nicht aus Arroganz. Nicht weil wir Snobs werden. Sondern weil Zeit plötzlich kostbar ist.
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Ich messe meine Zeit heute genauer aus. Wem ich sie schenke und mit wem ich sie verbringen möchte. Und ja – natürlich kann ich mich auch mal mit jemandem treffen der mir nicht so viel gibt. Aber dieses Gefühl Zeit zu verschwenden – das will ich nicht mehr.
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Und vielleicht ist genau das ein Teil dieser Lebensphase: Der Kreis dünnt aus. Und manchmal bleiben nur die Echten. Eine Freundschaft die durch eine Krise geht ist einfach nochmal etwas anderes.
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Die Idee vom Frauenrudel – und die Realität
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Ich glaube wir träumen alle davon: Im Alter in einem Rudel von Frauen zu sitzen. In einem Kreis der unterstützt, der schützt, der lacht und auffängt und einen versteht ohne viel Erklärung.
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Eine tolle Vorstellung. Aber die Realität ist oft anders. Manchmal sind es am Ende nicht zehn. Sondern zwei. Oder gar nur eine.
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Und vielleicht ist das nicht weniger wert – vielleicht ist es sogar mehr und kostbarer.
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Wenn man spürt dass man nicht mehr verbunden ist dann sollte man sich loslassen können wie in der Liebe. Ohne Drama und ohne Groll. Aber genau das ist so schwierig wenn das Herz mal drin hing.
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Was mir in solchen Momenten geholfen hat ist meine Gedanken aufzuschreiben – nicht für andere sondern für mich. Ein einfaches Journal liegt seit Jahren auf meinem Nachttisch. Abends drei Sätze. Was mich bewegt. Was ich loslassen möchte. Was ich mir wünsche. Das klingt simpel – aber es hilft.
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Und trotzdem bleibt Hoffnung
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Denn manchmal wenn etwas leiser wird entsteht Raum. Für neue Menschen, für neue Nähe, für andere Formen von Verbindung. Vielleicht nicht mehr so wild. Aber dafür echt und nicht nur aus Gewohnheit.
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Vielleicht ist genau das eine wunderbare Erkenntnis in der Lebensmitte: Wir können wählen. Wir müssen nicht überall dazugehören. Wir dürfen weich werden. Wir dürfen aber auch Schlussstriche ziehen. Und wir dürfen unsere Freundinnen lieben – auch wenn sie sich verändern. Eine alte Liebe eben. 💛
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Und wenn du gerade das Gefühl hast neu anzufangen – nicht nur in der Freundschaft sondern insgesamt – dann könnte dich auch dieser Artikel interessieren: Neuorientierung mit 50 – 7 praktische Schritte für mehr Stabilität]
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Was bedeutet Freundschaft für dich heute – in dieser Lebensphase?
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Schreib mir gerne in die Kommentare. Welche Freundschaft hat dich überrascht – positiv oder negativ? Ich lese jeden einzelnen und antworte auch. 💛
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